Compensator für Pistolen

  • Ich kenne die grossen Comps für die Race-Guns.


    So einen kleinen habe ich noch nie Live gesehen bzw davon gehört.

    Kann mir auch nicht vorstellen das der was bringt, zumal ja selbst bei den grossen Comps

    die Munition selber geladen wird um eine Wirkung zu erzielen.


    Gruss

  • Wieso meinst du?... ist doch eher umgekehrt, wegen den "Nebenwirkungen" des Comps. Wenn die Masse am Lauf grösser wird, kann man stärker oder schwächer Laden, um ein zuverlässiges Repetieren zu beeinflussen. ....Aber eben, ich kann nur theoretisieren, Erfahrungen aus der Praxis wären schön.


    Sowas würde mir gefallen:

    https://www.volkerprecision.com/universal-compensator


    Wie wird im IPSC eigentlich geladen? Eher schwach, damit's weniger hochschlägt?

  • Ein Kompensator an einer Pistole ist meinen Kenntnissen nach nur sinnvoll wenn die Patrone härter geladen ist als übliche Fabrikmunition. Im IPSC werden die Patronen härter geladen als übliche Fabrikmuni (so ein fall ist, glaube ich, die .45 Major und die .38 Super Auto). Ich meinte auch mal gelesen zu haben, dass man im IPSC härter lädt, damit die Ziele besser umfallen.


    Bitte korrigiert mich, falls ich falsch liege.

    Wer Freiheit zugunsten der Sicherheit abgibt, verliert am Ende beides.

    In kleinen Händen sieht alles grösser aus^^

    Einmal editiert, zuletzt von Spoooner97 () aus folgendem Grund: Aeon der Grammarnazi ;)

  • Der kleine Kompensator wird nicht viel bis gar nichts bringen. Er scheint mir eher als schönes Gadget anstelle einer prüden Überwurfmutter zu dienen.

    Damit ein Kompensator seinen Zweck erfüllen kann, braucht er neben einer funktionellen Geometrie (Prellflächen, richtige Winkel, etc.) vor allem Gasvolumen.

    Beim IPSC (Handgun sowie auch bei anderen Disziplinen) gibt es jeweils ein Regelwerk, welches grundsätzlich zwei Wertungsklassen im Bezug zur Munition unterscheidet. Minor und Major.

    In der "Production Class Pistole" gibt es keine Major Wertung.

    Die Stahlziele müssen bei einem Wertungszonentreffer auch mit Minor Faktor "125" umfallen.


    Genaue Details findet ihr im Reglement. (z.B. Handgun, Seite 53 ff)


    http://www.ipsc.ch/ReglementeIPSC.htm



    Faktorberechnung:

    Geschossgewicht in grs x V0 in fps : 1000 = Faktor

  • ..inwiefern ist das Gasvolumen vom Kompensator abhängig? ...oder beziehst du dich einfach auf die Ladung?

    Grundsätzlich ist ein Kompensator ja nicht anderes als eine Mündungsbremse, wie man sie von Artilleriegeschützen kennt, einfach als Miniaturausführung für Gewehre oder halt Pistolen.


    Stellt Euch einen Lauf vor ohne Mündungsbremse, ohne Feuerscheindämpfer, ohne nix, meinetwegen das Business-Ende vom Karabiner 31. Nach Austritt der Geschosses treten die heissen Verbrennungsgase aus dem Lauf. Dabei expandieren diese heissen Gase quasi kugelförmig in die kühlere Umgebungsluft und strahlen aufgrund der Hitze Photonen ab. Diese Strahlung ist für uns als Mündungsblitz sichtbar. Ein Feuerscheindämpfer verwirbelt die heissen Gase in die kühle Umgebungsluft und verändert dadurch die Photonenstrahlung. Effekt ist das wir einen kleineren Mündungsblitz wahrnehmen.


    Eine Mündungsbremse verändert die Ausdehnungsrichtung der heissen Gase an der Mündung, was die Ausdehnungsgeschwindigkeit verringert. Weiter werden die heissen Gase an ein festes Hindernis geschleudert, was eine Kraft - je nach Design der Prellfläche - in gewünschter Richtung erzeugt. Diese Kraft kann zur Verringerung des Rückstosses oder des Hochschlages verwendet werden. Eine gute Mündungsbremse ist enorm laut und die Gase werden dem Schützen oder dem Schützen nebenan in Gesicht geschleudert.


    Man kann sich vorstellen:
    Je mehr Restgasdruck an die Prellflächen geschleudert werden, desto höher wird die erzeugte Kraft.

    Je mehr Gasvolumen an die Prellflächen geschleudert werden, desto länger hält die Kraft an.


    Nun wendet man das auf die IPSC-Raceguns an:

    Je mehr Gasdruck, desto ruhiger im Schuss. Darum haben die Open Guns vielmals .38SuperAuto oder 9x23mm um genügend Sicherheitsmarge bei diesen heissen Ladungen zu haben. In der Open-Kategorie ist die Magazinlänge begrenzt, darum wählt man eher schlanke, längliche Hülsen um möglichst viel Patronen ins Magazin zu bringen und gleichzeitig grosses Hülsenvolumen für die heissen Ladungen hat.

    Oder anders ausgedrückt:
    Eine mild geladene Fabrik-9mmPara-Patrone und meinetwegen 4"-Lauf wirkt schon auf einen Kompensator ein. Die dadurch entstehende Kraft allerdings ist bei guter Schiesstechnik vernachlässigbar.

  • Ach ja, dann gibt es auch noch Hybrid-Bohrungen/Schlitze, welche hauptsächlich bei Faustfeuerwaffen Verwendung finden. (Bekannte Beispiele dürften die Glock xxC Reihen sein.)

    Hybrid-Bohrungen/Schlitze sind Bohrungen/Schlitze im vorderen Bereich des Laufs. Durch das Ausströmen der heissen Pulvergase wird der Hochschlag etwas vermindert.

    Hybridbohrungen und dergleichen bringen nicht nur Vorteile. Es kann sein, dass die V0 durch zu üppige Bohrungen oder Bohrungen an der falschen Stelle stark abnimmt. Ergo muss die Ladung etwas heisser werden um den IPSC Faktor weiterhin erbringen zu können. Dies birgt aber die Gefahr von zu grossen Anfangsgasdrücken. Das Sprichwort "viel hilft viel" trifft also nicht wirklich zu... ;)


    Bei der HK MP5 SD kann man nicht von Hybridbohrungen sprechen. Die vorhandenen Bohrungen im Lauf (ca. 30 Stk.) befinden sich kurz nach dem Patronenlager. Diese dienen zum abzweigen von Pulvergasen, damit man "normale" 9x19 Luger verschiessen kann, diese jedoch im Unterschallbereich (V0 ca. 280m/s - 300m/s) die Mündung verlassen.

  • Bei der HK MP5 SD kann man nicht von Hybridbohrungen sprechen. Die vorhandenen Bohrungen im Lauf (ca. 30 Stk.) befinden sich kurz nach dem Patronenlager. Diese dienen zum abzweigen von Pulvergasen, damit man "normale" 9x19 Luger verschiessen kann, diese jedoch im Unterschallbereich (V0 ca. 280m/s - 300m/s) die Mündung verlassen.

    Ganz genau so funktioniert das bei der MP5 SD und der APC9 SD.