Gängigste Kaliber in der Schweiz

  • Angeregt durch ein Thema von grolimichu, welches aber nicht den gewünschten Effekt brachte und Inputs von diversen Leuten möchte ich die Idee einer Liste der gebräuchlisten Kaliber in der Schweiz und deren alternative Bezeichnungen (zB imperial/metrisch) gerne fortführen.


    Generelles zur Munition, gemäss swisswaffen:

    Zitat von swisswaffen
    • Munition wird teilweise metrisch und/oder imperial angegeben. Oft wird das verwechselt und es heisst dann, dass jemand mit einer 45mm Waffe erschossen wurde, es ist jedoch ein .45 Kaliber gewesen.
    • Für die gleiche Munition bzw. das gleiche Kaliber gibt es unterschiedliche Bezeichnungen.
    • Aus Waffen können zum Teil verschiedene Kaliber verschossen werden (zum Beispiel kann aus einem .357 Magnum Revolver auch .38 Spezial Munition verschossen werden, umgekehrt jedoch nicht)
    • Die selbe Munition war früher anders geladen als heute (z.B. war die 9mm Para ursprünglich schwächer geladen als heute üblich, darum funktionieren viele alte P08 Pistolen mit der neuen Munition nur leidlich).
    • Es gibt Randfeuer- und Zentralfeuerpatronen.
    • Es gibt Munition mit Rand (oft für Revolver gedacht) und Munition mit eingelassenem Rand (oft für Selbstladewaffen gedacht)
    • Patronentypen:
      • Scharfe Patronen: the real deal mit Geschoss(en), welche(s) aus dem Lauf kommt
      • blinde Patronen, Markierpatronen, Platzpatronen: machen Lärm, sind sonst aber (fast) harmlos
      • Manipulierpatronen, Exerzierpatronen, Snap Caps, Dummies: zum Üben
      • Leucht-/Rauchspurpatronen: wie scharfe Patronen, ziehen aber eine leuchtende Spur mittels Brand-/Rauchsatz hinter sich her
    • Geschosstypen: da schreibt man sich die Finger fusselig, weil es so viele gibt (Anm. MRCL: FMJ, BT, SP, HP, LRN, WC, Kombinationen davon (JHP, FMJBT, ...), Variationen untereinander, etc...)


    Wichtig: Die Kaliberangabe bezieht sich auf den Laufdurchmesser, das Geschoss selbst ist in der Regel "es Mü" grösser! Eine Patrone im Kaliber .223 (5.56mm) hat also einen effektiven Geschossdurchmesser von .224 (5.7mm)! In den Tabellen unten beschreibt also "Kailber" was auf dem Munitionspäckchen steht, "Metrisch" und "Imperial" die effektiven Geschossdurchmesser.


    Metrische Kaliberangaben sind in der Regel Laufdurchmesser x Hülsenlänge und in der Regel unmissverständlich. Eine 9x19mm Parabellum ist also ein 9mm-Durchmesser-Lauf für ein Geschoss in einer 19mm langen Hülse.


    Imperiale Angaben beziehen sich in der Regel nur auf den Geschossdurchmesser und unterscheiden sich in Marken-/Waffenbezeichnungen (zB .45 ACP für Pistolen, .45 Long Colt für Revolver). Es gibt allerdings auch .450 Rigby, .38 Super und .380 ACP. Angaben wie .45 sind alleweil als "Fünfundvierziger Kaliber" zu lesen, d.h. sie inkludieren alles von .450 bis .459. Daher teilweise auch Angaben, die dreistellig sind.


    Meistens unterscheiden sich gleiche Kaliberangaben auch je nach dem ob es um Lang- oder Kurzwaffen geht (zB .45, effektiver Geschossdurchmesser bei Kurzwaffen .452, bei Langwaffen .458).


    Ebenfalls Ausnahmen sind alte Gewehrpatronen wie 45-70 und 30-06, welche Geschossdurchmesser und entweder das Pulvergewicht in Grains (45-70: 70 Grains) oder Jahr der Einführung (30-06: 1906) nennen. Ist alles etwas inkonsequent.


    Auch sind die Kaliberangaben nicht unbedingt mit dem tatsächlichen Geschossdurchmesser übereinstimmend. Vgl. .38 Special und .357 Magnum, welche beide aus dem gleichen Lauf geschossen werden können. Die 0.38" beziehen sich hier auf den Hülsendurchmesser, basierend auf der .38 Short Colt, welche eine 0.38" durchmessende Hüsle für ein 0.36" durchmessendes Geschoss aufwies.




    Wie man die Tabellen liest:

    • Kaliberangabe: Wie man die Patrone nennt, bzw. was auf dem Munitionspäckchen steht
    • Metrisch: Geschossdurchmesser in Milimeter
    • Imperial: Geschossdurchmesser in Inch
    • Alternativnamen: Gebräuchliche alternative Bezeichnungen für dasselbe Kaliber bzw. dieselbe Patrone

    Rundungsdifferenzen zwischen Metrisch und Imperial werden nicht beachtet (meist wird Imperial auf- oder abgerundet). Bei variablen Geschossdurchmessern (ja das gibts auch) wird der CIP-Wert genannt.




    Büchsenpatronen


    Kaliberangabe Metrisch Imperial Alternativnamen
    GP 11 7.78 .307 7.5x55 Swiss, 7.5mm Gewehrpatrone 11
    GP90 5.7 .224 5.56x45 NATO, .223 Remington, 5.6mm Gewehrpatrone 90
    .308 Winchester 7.8 .308 7.62x51 NATO
    .22 long rifle 5.7 .223 .22lr, .22lfb (lang für Büchse), Kleinkaliber, KK
    7.62x39 7.92 .312 7.62 Sovjet, Kurzpatrone M43, .30 Russian Short
    .338 Lapua Magnum 8.58 .338 8.6×70mm, 8.58×70mm
    .50 Browning Machine Gun 13.0 .510 .50 BMG, 12.7x99 NATO
    .300 Winchester Magnum 7.8 .308 .300 Win Mag, 300WM, 7.62×67mmB
    6.5mm Creedmoor 6.72 .2644 6.5×48 mm, 6.5 CM, 6.5 CRDMR
    7x64mm 7.25 .285 7x64, 7x64 Brenneke
    8x57IS 8.22 .324 8mm Mauser, 8x57mm, 7.92×57mm Mauser, 8x57JS
    5.45x39 5.6 .220


    • Die GP90, die .223 Remington und die 5.56x45 NATO sind zwar mehr oder weniger identisch, aber nicht das selbe!
    • Das Gp11 Geschoss hat einen Durchmesser von ca .306 bis .307, Wiederlader verwenden aber problemlos .308-Geschosse.
    • 8x57IS und 8x57JS sind dasselbe (rührt von der alten Schriftweise im Deutschen her, bei der "J" teils für "I" verwendet wurde). Die Patrone ist aber anders als 8x57I, bzw. 8x57J.
    • .308 Winchester und .300 Winchester Magnum haben zwar den gleichen Geschossdurchmesser, sind aber nicht untereinander kompatibel.




    Pistolenpatronen


    Kaliberangabe Metrisch Imperial Alternativnamen
    9mm Parabellum 9.01 .355 9x19, 9mm, 9mm Luger, 9mm NATO, 9mm Para, 9mm P, 9 mil, Pistolenpatrone 41, Pistolenpatrone 08, Pistolenpatrone 14
    .45ACP 11.5 .451 45 Auto, 45 M1911, 11.43x23
    7.65mm Parabellum 7.85 .309 7.65×22mm Parabellum, .30 Luger, 7.65mm Luger, 7.65×21mm, 7.65×21mm Luger, 7.65mm Parabellum, 7.65mm Para, Pistolenpatrone 03, 7.65mm Pist Pat 03
    .32 ACP 7.94 .3125 32 Auto, 7.65mm Browning, 7.65x17mm, 7.65 Walther, 32 Browning Auto
    .380 ACP 9.00 .355 9x17mm, 9mm Corto, 9mm Short, 9mm Kurz, 9mm Browning
    .40 S&W 10.2 .400 40cal, .40 Auto, 10x22mm, 10mm Kurz
    10mm Auto 10.17 .400 Aeons Delight
    .22 long rifle 5.7 .223 .22lr, .22lfb (lang für Büchse), Kleinkaliber, KK


    • 9mm kurz und 9mm Police sind nicht dasselbe wie 9mm Para!
    • Aufgepasst: 7.65 Para passt in eine 9mm-Para-Pistole und schiesst auch!
    • 7.65 Para und 7.65 Browning sind nicht dasselbe!




    Revolverpatronen


    Kaliberangabe Metrisch Imperial Alternativnamen
    .44 Magnum 10.9 .429 10.9x33mm
    .38 Special 9.1 .357 .38 Smith & Wesson Special, .38 Spl, .38 Spc, 9×29.5mmR, 9.1×29mmR
    .357 Magnum 9.1 .357 .357 Smith & Wesson Magnum, .357 Mag, 9×33mmR


    • .38 Special kann aus einem .357 Magnum Revolver abgefeuert werden, umgekehrt aber nicht!




    Schrotpatronen


    Schrotpatronen sind relativ einheitlich, aber verwirrlich dahingehend, dass die Grössen-, bzw Kaliberangaben entgegen anfänglicher Logik scheinen (Grössere Zahl = kleineres Kaliber).


    Noch verwirrlicher ist, dass die Kaliberangabe imperial ist, d.h. sich auf das Englische Pfund stützt, die Hülsenlänge aber meist in metrischen Milimeter angegeben wird, auf den Schrotflinten selbst dann aber wieder in Zoll.


    Längenmässig ist es so, dass die unverschlossene (= aufgeschossene) Hüsle zählt.


    lrrp drückt es so aus:

    Zitat von lrrp

    D.h. aufpassen, teils sind Patronen 12/76 wegen dem Schliesscrimp fast gleichlang wie 12/70 und gehen ins kurze Patronenlager rein. Gasdrücke können dann sehr grenzwertig werden wenn sich die Hülse nicht regelmässig aufrollt und sich das Zwischenmittel bereits durch die Hülse würgen muss. Ist leider nicht ganz dubelisicher. Eine Flinte mit 12/76-Patronenlager schafft da aber Abhilfe, die verdaut alles was reingeht.


    Kaliber: Was auf der Munitionspackung steht*

    Bohrung: Laufdurchmesser

    Hülsenlänge: In Milimeter und Zoll (Angabe in tatsächlichem Wert und wie es auf den Flinten steht)

    Alternativnamen: Falls gebräuchlich


    *Das Kaliber (erste Zahl) einer Schrotkugel errechnet sich daraus, wie viele gleich grosse Kugeln man aus einem Englischen Pfund (453.6 Gramm) Blei im Durchmesser des Laufes herstellen könnte. Dies hat nichts damit zu tun, wie viele Kugeln schlussendlich in der Schrotpatrone drin sind und wie gross und schwer diese sind - es ist ein rein theoretischer Wert. Eine Schrotpatrone Kaliber 12/76 wären also 12 Kugeln im Durchmesser 18.53mm aus 453.6 Gramm Blei.


    Ausnahme hier ist das .410-Schrotkaliber.


    Kaliberangabe Metrisch Imperial Alternativnamen
    12/70 18.53mm 70mm - 2.75" - 2 3/4"
    12/76 18.53mm 76mm - 2.99" - 3"
    16/70 16.84mm 70mm - 2.75" - 2 3/4"
    .410 10.2mm 65mm - 2.55" - 2.5"
    20/70 15.63mm 70mm - 2.75" - 2 3/4"


    • Eine 12/70 Patrone kann in einer Schrotflinte passend für 12/76 verschossen werden, umgekehrt kann, muss aber nicht möglich sein.
    • Magnum-Patronen sollten nur aus Schrotflinten geschossen werden, die dafür explizit ausgelegt sind.
    • Gebräuchliche Bezeichnungen sind Trap/Skeet-, Vogel- und Hasenschrot (viele leichte Kügelchen), Buckshot (wenige grössere Kugeln) und Slug (Flintenlaufgeschoss, quasi eine grosse Kugel). Die Angaben für Grösse/Gewicht der jeweiligen Bzeichnungen variieren sehr stark.
    • Meistens steht auf der Packung, wie schwer eine Schrotkugel ist.




    Dank bisher an:

  • MRCL

    Hat das Thema freigeschaltet
  • Schöne Liste, hätte man eigentlich schon von anfang an machen sollen.

    Bei den Büchsen sollte man sicher auch .300WM und 6.5 CM nicht vergessen.

    7x64 ist meinen Kenntnissen nach ein gebräuchliches Jagdkalber. Vielleicht noch 8x57JS, wird ja doch in einigen Waffen verschossen.


    Bei den Pistolen denke ich dass man gerade hierzulande die 7.65 Para noch erläutern sollte, da dies mal eine Ordonanzmunition war bei Sportschützen nach wie vor genutzt wird.

    Wer Freiheit zugunsten der Sicherheit abgibt, verliert am Ende beides.

    In kleinen Händen sieht alles grösser aus^^

  • Finde es gut das Du mein Gedanke hier zu Ende bringst. Danke dafür. War wohl gestern nicht der richtige Anlauf dafür. Von mir. Merci :thumbup::)

    Die Idee ansich war ja auch nicht schlecht, aber Wahllos Kaliber aufzählen ohne Hintergedanken ist doch irgendwie Sinnlos. Was bringt es dir zu wissen was 9mm Bergmann oder 7mm Lefaucheux ist, wenn man es wahrscheinlich nur ein- zweimal im leben in den Händen hält, geschweige den schiesst.

    Aber so wies jetzt ist, ist es m.M.n. sinnvoll und praktisch.

    Wer Freiheit zugunsten der Sicherheit abgibt, verliert am Ende beides.

    In kleinen Händen sieht alles grösser aus^^

  • Als Ergänzung für den ersten Post:


    Patronentypen (verschiedene Bezeichnungen in einem Bullet zusammengefasst):

    - Scharfe Patronen: the real deal mit Geschoss(en), welche(s) aus dem Lauf kommt

    - blinde Patronen, Markierpatronen, Platzpatronen: machen Lärm, sind sonst aber (fast) harmlos

    - Manipulierpatronen, Exerzierpatronen, Snap Caps, Dummies: zum Üben

    - Leucht-/Rauchspurpatronen: wie scharfe Patronen, ziehen aber eine leuchtende Spur mittels Brand-/Rauchsatz hinter sich her


    Geschosstypen:

    - da schreibt man sich die Finger fusselig, weil es so viele gibt

  • Finde es gut das Du mein Gedanke hier zu Ende bringst. Danke dafür. War wohl gestern nicht der richtige Anlauf dafür. Von mir. Merci :thumbup::)

    Die Idee ansich war ja auch nicht schlecht, aber Wahllos Kaliber aufzählen ohne Hintergedanken ist doch irgendwie Sinnlos. Was bringt es dir zu wissen was 9mm Bergmann oder 7mm Lefaucheux ist, wenn man es wahrscheinlich nur ein- zweimal im leben in den Händen hält, geschweige den schiesst.

    Aber so wies jetzt ist, ist es m.M.n. sinnvoll und praktisch.

    Und genau DARUM meine damalige Frage nach dem Sinn. Und nun, ganz langsam, kehrt Einsicht ein, dass meine Frage nicht unberechtigt war.....

  • Mein Ziel war ja auch nicht einfach wahllos Kaliber aufzuzählen. Hab da einfach einen falschen Titel gewählt welcher einen falschen Eindruck hinterliess. Zum Glück sind wir ja alle lernfähig. 😉

    Jetzt wird das hier richtig und sinnvoll gemacht. :thumbup:

    Ich fand halt einfach die erste Reaktion über die Sinnfrage etwas forsch mir gegenüber. Denn mit etwas anfänglich konstruktiver Kritik wären wir Schlussendlich am selben Ziel angekommen wie jetzt. Und darüber bin ich froh, das mein Grundgedanke hier nun von erfahrenen Waffennarren umgesetzt wird. :)

  • MRCL Gute Idee mit der Liste. Kleine Ergänzung: Die Länge von Schrotpatronen ist die Länge der unverschlossenen Hülse.

    D.h. aufpassen, teils sind Patronen 12/76 wegen dem Schliesscrimp fast gleichlang wie 12/70 und gehen ins kurze Patronenlager rein. Gasdrücke können dann sehr grenzwertig werden wenn sich die Hülse nicht regelmässig aufrollt und sich das Zwischenmittel bereits durch die Hülse würgen muss.

    Ist leider nicht ganz dubelisicher. Eine Flinte mit 12/76-Patronenlager schafft da aber Abhilfe, die verdaut alles was reingeht.

  • ...da warst du ja mal wieder fleissig. Hier meine Ergänzungen:


    Soviel ich weiss werden bei den alten Ami-Kaliber: Geschoss und Menge Schwarzpulver in Grains angegeben: ZB: 45-70 => .45er Geschoss und 70 Grains Schwarzpulver... usw. bei der 30-30 sogar 30 Grains rauchloses Pulver....nur die 30-06 bezieht sich auf das Jahr 1906... halt nicht sehr konsequent. Aber was erwarten wir von einem Land das heute noch nicht metrisch ist!


    ... hier noch Ergänzungen zu den Geschossdurchmesserangaben in Zoll:


    - alle üblichen 223 Kaliber verschiessen .224

    - .300 Kaliber ist ebenfalls .308, hier die .300 alleine finde ich irreführend

    - 6.5 mm => .264

    - 7mm => .284

    - 8mm IS=> .323


    Aufgepasst bei den .45 => Kurzwaffe .452 , Langwaffe: .458